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MEIN INTERVIEW MIT KULTPOMPLOTT

auch zu lesen unter www.kultkomplott.de/Artikel/Interview/

 

Tatiana Flickinger – Alles im Fluss

Tatiana Flickinger hat sich ihren Kindheitstraum erfüllt – sie ist Blockflötistin. Aber bevor sie in München und Zürich das schmale Holzblasinstrument bei renommierten Professoren perfekt zu spielen lernte, studierte sie Bauingenier. So vereint sich in ihrer Persönlichkeit das Bodenständige und das Musische. Eine Mischung, die ihr mit Sicherheit die Herangehensweise an Musik aus unterschiedlichen Jahrhunderten erleichtert. Für das umfassende Repertoire ihrer Konzerte ist eine starke Persönlichkeit gefragt. Am 24. Juni wird Tatiana Flickinger gemeinsam mit Viktor Töpelmann (Barockvioloncello) und Helene Lerch (Cembalo und Orgel) zur 161. Matinee eleven-eleven in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) in der Hauptstraße 68 auftreten. Unter der Überschrift „Luftsprünge und Purzelbäume“ gibt es prachtvolle Musik des 17. Jahrhunderts mit Werken von Castello, Frescobaldi, Riccio, Merula und anderen. Beginn: Natürlich 11.11. Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?

Tatiana Flickinger: Dass ich heute als Blockflötistin doch recht erfolgreich bin und im Grunde ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist, kann ich manchmal immer noch nicht so recht glauben. Die Musik gehörte schon immer zu meinem Leben, aber nach meinem Bauingenieurstudium war vor allem die Unterstützung meiner Familie ein essenzieller Faktor. Die Liebe zu meinem Instrument und die Freude an der Musik taten ihr übriges…

 

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?

TF: Im Idealfall natürlich alle! Jeder Mensch hat das Bedürfnis Musik zu hören, und wenn ich Menschen erreiche, die zum ersten Mal ihre Begeisterung für Alte Musik durch mich entdecken, ist das das Großartigste was einem passieren kann.

 

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?

TF: Ein Problem ist immer noch, dass ganz viele Menschen die Blockflöte total unterschätzen. Selbst Konzertveranstalter sind da in Bezug auf Alte Musik und die Blockflöte recht vorsichtig. Für mich völlig unverständlich… Ich würde mir in der Beziehung mehr Mut und Aufgeschlossenheit aller Beteiligten wünschen, um zu entdecken was dieses vielseitige Instrument alles kann! Und es kann eine Menge….

 

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?

TF: Musik auf der Bühne zu erleben, ob als Zuhörer oder Musiker bescheren einem viele Glücksmomente. Beeindruckend sind jedoch vor allem die Erfahrungen, die einen die Welt mit anderen Augen sehen lassen…

Zuletzt war das für mich Anton Webern, "Sechs Bagatellen, op. 9" gespielt vom Minguet Quartett im KOM in Olching bei der Eleven-eleven Matinee Konzertreihe. Ein ganzes Universum in ein paar Minuten Musik!

 

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?

TF: Wenn während eines Konzertes diese besondere Verbindung zwischen Publikum und Musikern entsteht. Alles ist dann im Fluss, wird unendlich leicht und es macht eine riesige Freude diese Erfahrung miteinander zu teilen.

 

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?

TF: In der Regel höre ich sehr gerne was meine KollegInnen so machen… Barockmusik ist mein täglich Brot und es ist immer gut seinen Horizont zu erweitern. Aber so ist Musik hören auch immer mit der eigenen Arbeit verbunden. Zum Vergnügen bin ich seit über 20 Jahren ein großer Fan der Fantastischen Vier. Ich weiß, dass passt jetzt kaum. Überraschung!

 

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?

TF: Ich bin mit der CD aufgewachsen und habe so leider gar keine Beziehung zu Vinyl…

 

KK: Was lesen Sie momentan?

TF: Ich lese sehr viel. Aber immer zweigleisig, etwas zum Vergnügen und etwas für die Arbeit. Als Musikerin, die sich mit historischer Aufführungspraxis beschäftigt ist es unerlässlich, die Quellen aus der entsprechenden Zeit zu studieren. Das ist so wichtig, denn schließlich gibt es keine CD Aufnahmen aus dem 16., 17. oder 18. Jahrhundert, so dass wir aber zum Glück auf viele schriftliche Traktate, Briefe und Tagebücher zurückgreifen können, um zumindest eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, wie die Musik damals vielleicht geklungen haben könnte. Gerade ist bei mir mal wieder Johann Joachim Quantz „Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen“ an der Reihe.

Zum Vergnügen: Hermann Hesse „Glasperlenspiel“, ein fantastisches Buch!

 

KK: Was ärgert Sie maßlos?

TF: Grundsätzlich bin ich bestrebt immer das Positive und Nützliche in allen Dingen zu sehen. Selbst wenn einem mal etwas ärgerliches über den Weg läuft, gibt es doch immer doch etwas positives daran. Und sei es nur sich den Tag nicht verderben zu lassen, indem man sich über eine Sache - ob groß oder klein - eben nicht maßlos ärgert.

 

KK: Was freut Sie ungemein?

TF: Das ist schwierig, es gibt so Vieles über das ich mich freue und vor allem sehr dankbar bin. Aber am meisten denke ich, wenn ich schöne und erfüllende Moment mit meiner Familie verbringe.

 

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?

TF: Ich stricke für mein Leben gerne: Schals, Decken, Pullover, Socken,…

 

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?

TF: Ganz ehrlich… Ich schaue nur ganz, ganz selten mal einen Film und Fernsehen eigentlich gar nicht. Beeindruckend finde ich das reale Leben mit echten Menschen, das ist doch viel spannender!

 

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?

TF: Eine Maschine, um in der Zeit zu reisen: Wie gerne würde ich sie Alle mal treffen: Georg Philipp Telemann, die Herren Bach und Georg Friedrich Händel natürlich, Vivaldi nicht zu vergessen und einem kleinen Plausch mit Corelli wäre ich auch nicht abgeneigt, um nur mal die wichtigen zu nennen.

 

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?

TF: Auf alle Fälle bin ich ein Teamplayer, als Musiker muss man das auch sein. Ich liebe es insbesondere im Ensemble zu spielen, z.B. mit Colori del barocco. Das Zusammenklingen von Oboe, Violine, Fagott, Cembalo und Blockflöte ist wahnsinnig schön und das miteinander ist dabei ganz essenziell und macht immer besonders viel Freude. Auch im nächsten Konzert am 24. Juni im KOM in Olching zusammen mit Viktor Töpelmann (Violoncello) und Helene Lerch (Orgel und Cembalo) ist perfekte Zusammenarbeit und blindes Verständnis gefragt.

 

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?

TF: Ganz klassisch: unter der Dusche!

 

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?

TF: Nichts was man regelmäßig nennen könnte… Am ehesten bin ich noch immer bei facebook zu finden, wobei ich das nur beruflich nutze, um mit anderen Künstlern in Verbindung zu bleiben und man sieht auch immer was alle anderen gerade so machen.

 

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?

TF: Ich würde gerade die kleinen, mutigen, oft unglaublich tollen und ausgefallen Produktionen, die sich außerhalb der ausgetretenen Pfade des klassischen Konzertbetriebes befinden, fördern. Für mehr Vielfalt und Kreativität!

 

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?

TF: … das würde wohl keiner lesen wollen, viel zu langweilig.

Obwohl, der Satz, den ich als Blockflötistin am meisten zu hören bekomme: „Blockflöte, ach das hab ich früher auch mal gespielt!“ wäre vielleicht kein schlechter Titel….

 

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor? 

TF: Wenn es um meine Zukunft geht, dann wünsche ich mir, dass alles so im Fluss bleibt. Ich plane eigentlich nicht, die Dinge passieren, mit mir oder ohne mich. So wie es jetzt ist, ist für mich ein großes Glück! Für die Zukunft aller Menschen würde ich mir das Wünschen, was wir wohl alle wollen: Frieden, ein Leben ohne Angst und Hunger, vor allem mehr im Einklang mit unserem Heimatplaneten, Rücksicht und Verständnis untereinander.


NÄCHSTES KONZERT:

 

Die 161. ELEVEN ELEVEN Matinee am Sonntag, dem 24. Juni 2018

um 11 Uhr 11 im KOM, Olching, Hauptstr. 68  

 

LA CAPRIOLA

Luftsprünge und Purzelbäume

 

Die Musik des 17. Jahrhunderts hält waghalsige Kapriolen und verrückte Einfälle bereit und überrascht immer wieder durch unvorhersehbare Wendungen. Werke von Castello, Frescobaldi, Riccio, Merula u.a. übermütig, voller Freude und Vergnügen gespielt von

 

Tatiana Flickinger                           frühbarocke Blockflöten

Viktor Töpelmann                           Barockvioloncello

Helene Lerch                                    Cembalo und Orgel

 

Das Überladene, Pracht- und Prunkvolle am barocken Zeitalter fasziniert auch noch heute. In Europa zeigt sich die Mannigfaltigkeit dieser Zeit besonders auch in der Musik, die mit verschwenderisch verzierten Linien, emotionaler Unmittelbarkeit und theatralischem Gestus immer wieder zu fesseln vermag – als gelte es zu zeigen, wie viel Gefühl man auf ein Notenblatt zwängen kann. 

Das hochkarätig besetzte Ensemble bringt nicht nur die Werke von Komponisten wie Castello, Merula und Frescobaldi zum Klingen, sondern auch die Instrumente dieser Zeit. Frühbarocke Blockflöten wetteifern miteinander um den schönsten Klang im Kontrast zur tiefen, sonoren Stimme und dem vielfarbigen Ausdruck des Violoncello, getragen und in Einklang gebracht von Cembalo und Orgel.

 


 

Voller Stolz und Freude darf ich verkünden, dass die erste CD mit meinem Ensemble Colori del barocco nun erhältlich ist und wir uns über dieses leicht verfrühte, aber um so schönere Weihnachtsgeschenk sehr freuen! 

 

 „Colori del Barocco“ – Der Name ist Programm! Fünf historische Instrumente, die charakterlich verschiedener nicht sein könnten, führen das bunt-schillernde Spektrum barocker Klang-Farben-Pracht zu Ohren! Hier öffnet sich die Welt barocker Sinnesfreude von bitterem Weltschmerz und Todes-Sehnsucht bis hin zu himmlisch-heiterer Ausgelassenheit, von derb-bäuerlicher Lebenslust bis hin zu überspitzt adligeleganter Noblesse.

 

Anfragen für die CD bitte persönlich an mich, per Mail.

tatianahornuff@aol.com

 


Damenwahl

Barockmusik von, mit, wegen und für die Dame des 18. Jahrhunderts

 

„Ein reiches Weib verschafft Bequemlichkeit,

ein kluges Weib vertreibt die lange Zeit,

ein Weib von hohem Stand und vielen Ahnen

kann uns den Weg zu Ehrentempel bahnen...“

                                                              Georg Philipp Telemann aus „Singe-, Spiel- und Generalbassübungen“ 

Tatiana Flickinger - Blockflöten                                                                                                                                                     Fotos: Franz Kimmel

Margit Kovács- Cembalo

 

Elegant, eloquent und vor allem intelligent, mit großem Einfluss, jedoch im Hintergrund agieren Damen der feinen Gesellschaft im 18. Jahrhundert. Emanzipation und Feminismus sind weit entfernt, aber dennoch gibt es unzählige Frauen, die die Fäden in der Hand halten. So auch in der Musik, sie sind Mäzeninnen, Inspiration, Musikerinnen, Ehefrauen oder selbst Komponistinnen, die die Männerwelt inspirieren und beeinflussen....

Die beiden Musikerinnen des 21. Jahrhunderts, Tatiana Flickinger und Margit Kovács stehen dem in nichts nach. Meisterinnen an ihren Instrumenten, mit viel Liebe zur barocken Musik und dem Anspruch diese mit einer Überfülle an Freude, Eleganz, Kreativität und Wissen in die heutige Zeit zu transportieren. Blindes Verständnis und Vertrauen der beiden Damen, geprägt nicht nur durch jahrlange Zusammenarbeit, sondern auch durch eine beste Freundschaft machen die erklingende Musik zu etwas ganz Außergewöhnlichem.

 

DAMENWAHL Die Damen mit Einfluß wählten geschickt ihre Favoriten, ihre Freunde, ihre Angestellten- sprich ihren sozialen Umgang und beeinflussen so die Förderung der Künste und Künstler. Sonaten, Arien, Opern, eine Vielzahl Musik wäre nicht geschrieben worden und der Nachwelt verloren ohne kunstliebende, einflußreiche und begabte Frauen des Barock.


Eleven-eleven MusikKultur e.V. präsentierte zur Jahreshauptversammlung in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) seinen zahlreich erschienen Mitgliedern den Jahresbericht 2016. Darüber hinaus wurde in der turnusmäßigen Neuwahl eine junge Musikerin zur Verstärkung in den Vorstand gewählt. Die Blockflötistin Tatiana Flickinger wird als weiteres Vorstandsmitglied in erster Linie den künstlerischen Leiter Prof. Michael Schopper und bei Bedarf die Organisatoren Gabriele Frank und Günther Frank unterstützen. Über die Verjüngung freut sich der 1. Vorsitzende Ewald Zachmann, ist damit auch durch deren "künstlerische Qualität und planerische Lust" für die nächsten drei Jahre Kontinuität und Kreativität der Veranstaltungsreihe gewährleistet.

 

Ich freue mich auf 11-11 mit vielen spannenden und hochkarätigen Konzerten, viel Freude an der Musik und auf die Zusammenarbeit mit wunderbaren Menschen und Musikern!

 

Wir sehen uns in Olching im KOM!

 

Alle Konzerte immer unter 

www.11-11-musik.de